Wie neue Mitbewohner unser Sexualleben verändern

Früher als Paar war alles besser. Intensiver, spontaner, zu jeder Tages- und Nachtzeit und zwischendurch auch noch mal. Und überhaupt! Die Rede ist vom Sexleben, bevor Paare Eltern wurden.

Ja, ich denke, wir Eltern erinnern uns gerne daran zurück, wenn der Partner direkt mal kurz nach dem Aufstehen vernascht worden ist, auf dem Laken, auf dem Weg vom Bett ins Bad, in der Dusche, vor dem Küchenfenster, im Auto, am Strand hinter dem Windschutz. Wo auch immer. Jeder Ort wurde spontan dafür missbraucht, um seiner Lust freien Lauf zu lassen. Kein Ort war unmöglich, alles wurde ausprobiert. Jeder von uns hat sein Sexualleben (mehr oder weniger) ausgelebt. Mal ehrlich: Es war uns egal, ob die Nachbarn live dabei waren, wenn man lautstark übereinander herfiel. Es war und ist doch das Normalste der Welt, und so sollte und soll man es eigentlich immer weiter handhaben.

Aber diese tollen Vorsätze haben die meisten von uns (insbesondere wir Frauen) mit dem Elternwerden über Bord geworfen, denn es zog ja ein neuer Mitbewohner ein. Als Frau und nun Mutter möchte man nach der Geburt nie wieder auf die Toilette gehen. Auf die Frage der Hebamme, wann ich das letzte Mal „abgeführt“ hätte, antwortete ich, dass es zwar schon 5 Tage seien, aber ich auch gar nicht muss. Ein Wunder, dass sie mir nicht direkt die große Hafenrundfahrt gebucht hat und eine kleine Wunderpille Abhilfe schuf.

Man kann mit Glück nach Monaten seine Füße wieder sehen, wenn man nicht direkt die Bauch- und Bruststraffung im all inclusive Programm mit gebucht hat. Man ist die Milchbar, schlägt sich die Nächte um die Ohren, um die neuen Mitbewohner ausreichend zu beköstigen, damit sie dann im Hotel Mama wieder friedlich schlummern.

Das Wort SEX ist auf unserer Festplatte erst einmal gelöscht, dafür ist keine Zeit. Unser Körper gleicht einer Großbaustelle. Egal ob normale Geburt oder Kaiserschnitt, der Penis unseres Partners gleicht einem Fremdkörper, für den kein Platz auf unserer Baustelle ist. Wir sind Mutter, und es dauert länger, bis wir uns wieder als Frau und Objekt der Begierde sehen. Nämlich dann, wenn man den Still-BH und die Bauchwegschlüpfer abgelegt hat und so langsam mit Glück wieder in die alten Sachen passt. Das kann Wochen, Monate, Jahre dauern. Für uns Frauen ist das sicherlich kein Problem, aber für unseren Partner. Wir verweisen öfter freundlich auf die Selbstbefriedigung, aber irgendwann hat der Mann keine Lust mehr darauf. Seine Hände und er haben zu dem Zeitpunkt ein innigeres Verhältnis als wir als Paar. Manche Männer reden gar nicht über dieses Thema und tun so, als würden sie es wegatmen.

Wenn wir Frauen uns dann dazu durchringen, den sexuellen Akt zu vollziehen, ist er meistens nur von kurzer Dauer, da der Mann direkt zum Finale kommt. Er freut sich so über den Einlass, den wir ihm wieder gewähren.

Wie war das vor den Kindern? Stundenlang hat man die Wohnung auf allen Vieren erkundet.

Jetzt ist es meist das Schlafzimmer, wenn der neue Mitbewohner noch klein ist. Das Babyfon steht auf Mamas Nachttisch, auf volle Lautstärke gedreht. Während wir Frauen versuchen, uns unserem Partner irgendwie hinzugeben, schielt ein Auge natürlich immer auf das Babyfon. Sobald es ausschlägt, ist es vorbei mit dem ohnehin schon kurzen Liebesakt. Zeit zum Stillen, Windelwechseln oder einfach nur Checken, ob alles gut ist mit dem Mitbewohner. Nicht selten kommt es zu Eifersucht, weil der Mitbewohner mehr Aufmerksamkeit und Nähe bekommt als der Partner.

Es wird ja nicht besser: „Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen“. Wenn sie dann selbständig aus ihrem Bett aufstehen können, muss man in jeder Sekunde damit rechnen, dass sie vor dem Elternbett stehen.

Die Angst vom Kind überrascht zu werden, ist total groß, bei uns Muttertieren jedenfalls. Warum eigentlich? Weil unser Kind vielleicht denkt, Papa tut der Mama weh, wenn sie komische Geräusche von sich gibt? Wie ist es erst, wenn der Sonnenschein sprechen kann und uns Eltern erklärt, wir könnten auch auf den Spielplatz gehen, wenn wir wippen möchten.

Fragen über Fragen, Sorgen über Sorgen. Aber man darf eines nicht vergessen, liebe Mamas und Papas. Wir sind nicht nur Eltern, sondern auch ein Paar. Auch mit dem Elternsein darf und soll man noch Sex haben und öfter mal die Zeit zu zweit geniessen. Auch wenn Kinder die Vorstellung ekelhaft finden, dass ihre Eltern noch Sex haben. Denkt mal an eure Kindheit zurück! Das war bestimmt nicht anders. Ich habe als Teenager immer laut gehustet, wenn ich am Elternschlafzimmer vorbei musste. Nach dem Motto: „Achtung, ich kann euch hören.“

Früher, als wir selbst Kinder waren, wurde fast nie so offen über das Thema Sexualität gesprochen wie in der heutigen Zeit.

Nehmt euch Zeit und erkundet eure vier Wände wie früher: auf allen Vieren, als Paar. Nur passt auf, dass keine Legosteine oder ähnliches Spielzeug auf dem Boden liegt. Das könnte weh tun!

 

Eure Sandra

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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