Schule und andere komische Sachen

So schnell wie die Ferien vorbei sind, ist auch der hormonell gesteuerte Mitbewohner wieder da. Wer kennt es nicht, dass die Ferien nicht für die Hausaufgaben reichen? So sitzt du dann mit angespannter Halsschlagader am Sonntag mit deinem Kind vor Mathehausaufgaben, ganze zwei Seiten lang. Zins- und Prozentrechnung, mein Spezialgebiet, in welchem ich mich täglich bewege. Mal ernsthaft, ich war immer eine gute Schülerin, aber an manchen Sachen beiße ich mir heutzutage auch mal den einen oder anderen Zahn aus.

Aber an dieser Stelle bin ich wirklich dankbar, dass es Medien wie Youtube und Co gibt. Einen Matheprofessor habe ich auch nicht an der Hand, Nachhilfe, die gut und bezahlbar ist, findet man leider nicht so schnell. Also gibt man einfach die Schlagwörter ein und landet auf Seiten von Mathefreaks, die so gut erklären, dass auch ich wieder Spaß an diesen Rechnungen habe. Mein Ehrgeiz hat mich gepackt, leider nur mich. Das Kind sitzt nach wie vor neben mir, mit großen Fragezeichen, die über ihrem Kopf schweben. Was waren das nur Zeiten, als sie voller Begeisterung 1+1 zusammen rechnete. Nun gut, in der 8. Klasse sind die Anforderungen dann doch etwas höher. Das muss nur das Kind auch verstehen.

Nun ist sie wieder da, ganz unerwartet: die Schule.

Schon der Weckversuch am frühen Morgen ist eine wahre Mutprobe. Wie wird der Mitbewohner reagieren? Seit Sommer ist nicht nur schlechte Laune am Morgen, sondern auch Motzverhalten deluxe dazu gekommen. Das ist quasi ein all inklusive für die gebuchte Pubertät.

Also tastet man sich vorsichtig an das Bett heran, wenn man denn die Chance hat, durch das Kriegsgebiet, welches aus Klamottenfallen, Schminkutensilien und Essensresten besteht, an das Bett des kleinen Engels zu gelangen. Ich habe fast immer gute Laune, den Song: “Guten Morgen Sonnenschein” habe ich dennoch mal eingemottet. Kam nicht mehr so gut an.  Aber auch ein sanftes “Guten Morgen mein Schatz” wird knurrend durch den Mitbewohner erwidert, nachdem ich minutenlang am Körper meines Kindes geruckelt habe.

Die Antwort: “Du nervst Mama” lässt mich wieder daran erinnern, doch mit Yoga anzufangen. Nein, das ist nicht mein Kind, das ist dieser pubertierende Mitbewohner, der Schuld für diese Wesensveränderung ist. Es dauert dann doch noch eine Zeit, bis wir gemeinsam frühstücken können, denn vorher wird erst mal das Bad blockiert. Duschen mit Haarewaschen, nur Haarewaschen, minutenlanges Ausharren vor dem Kleiderschrank, das alles nimmt Zeit ein.

Was war das noch schön, als ich die Sachen heraus legen konnte und sie angezogen wurden. Heute bin ich froh, wenn ich diesen Kleiderschrank nicht aufmachen muss, weil ich sonst wohl sofort schlechte Laune bekommen würde. Erst vor kurzem haben wir gemeinsam den Kleiderschrank entrümpelt. Entrümpeln? Es waren Sachen im Schrank, die noch nie das Tageslicht, geschweige denn den Körper meines Kindes gesehen haben. Das Preisschild war noch fest getackert. Von dem Wert dieser Sachen kann man einen ganzen Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie erstehen. Wir sind nur zu zweit, also springen 2 Wochen ein voller Kühlschrank für uns heraus. Während ich darüber nachdenke, ist mein Kind wieder online auf einem Shop unterwegs, denn man kann sich von dem Geld ja wieder etwas Neues kaufen. “Einatmen, ausatmen Sandra”!, denke ich mir. Mein Puls ist wieder so rasend schnell, dass es jetzt wirklich Zeit für den “Sonnengruß” ist. Ich werde umgehend eine Probestunde bei den Yogamädels buchen.

Natürlich wird sie keine neuen Klamotten bekommen, das verkünde ich ihr auch.

Dann kommt wieder die Aussage,dass sie keine Sachen hat, während sie sich mit ganzer Kraft gegen den Schrank drückt, damit die Berge von Klamotten nicht die Freiheit erblicken.

Wenn ich ihr sage, wie es bei mir früher war, ernte ich immer drehende Augen.

So ist es jeden Tag, an dem mir verkündet wird, dass sie keine Sachen zum Anziehen hat.

Ich bin ja für Schuluniformen, dass würde die Nerven vieler Mütter schonen.

Aber da wird wohl das Schulsystem nicht mitmachen.

Während ich darüber nachdenke, räume ich wieder einmal das Zimmer auf, auch wenn man sich geschworen hat, es nicht mehr zu tun. Aber ich habe keine Gläser mehr im Schrank, meine Salatschüssel wurde auch entführt, um kreativen Schleim aus Rasierschaum, Kontaktlinsenflüssigkeit und Gesichtsmasken anzufertigen.

Bei der Gelegenheit lüfte ich auch mal und befreie die Fensterrahmen von Make up Resten.

Das Leben mit einem pubertierenden Mitbewohner ist einfach jeden Tag spannend, wie früher ein Westpaket aus Pinneberg, welches wir an Heiligabend öffnen durften.

 

Ich wünsche euch einen langen Atem und gute Nerven! Unterm Strich sind Kinder unser größtes Geschenk, auch wenn man sich manchmal einen Bon für den Umtausch wünscht.

 

Eure Sandra

 

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

2 Comments

  • Liebe Sandra!

    Ich liege hier zusammen mit meinem 12jährigen Pubertier und wir lachen uns grade mal wieder schlapp.
    Eine 1:1 Geschichte aus unserem Leben. Genauso, mit den selben Gedanken, beschreibst du mich und auch das augenrollende blonde Mädchen neben mir, als wärst du bei uns spickern gewesen.
    Herrlich! Man glaubt ja in solchen Fällen immer man ist alleine und solche Dramen gibt’s nur im eigenen Leben. Aber du beweist mal wieder, wir sind nicht alleine!! Yeah!! Das gibt Hoffnung 😊😊

    Liebste Grüße
    Ruth & Sina

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