Sätze, die uns alle wahnsinnig machen

Wie ihr ja sicherlich schon gelesen habt, ist mein Exmann wieder neu verheiratet und hat einen inzwischen fünfjährigen Sohn. Gestern Nachmittag waren wir kurz zu Besuch. Wenn mir jemand vor einigen Jahren gesagt hätte, dass wir mal zusammen an einem Tisch sitzen, ich hätte wohl gefragt, welche Drogen er oder sie konsumiert. Auch wenn es nicht immer rund läuft, wir sind auf einem guten Weg. Wir müssen lernen, unsere Befindlichkeiten auszublenden und auch getrennt als Eltern an einem Strang zu ziehen. Das mal nur so am Rande und zur Einleitung, denn im Grunde genommen wollte ich über etwas anderes schreiben. Vor lauter Hormonschwankungen und Ausbrüchen dieses Mitbewohners hat man am Ende oft eine Art Blockade.

Aber als mein Mäuschen mit ihrem kleinen Bruder spielte, hörte ich mit einem Mal den magischen Satz: “ Ich zähle bis 3″. Oh nein, er hat Generationen überlebt, ich habe ihn schon damals bei meiner Mutter gehasst, weil ich nicht verstanden habe, was dieses blöde bis 3 Gezähle denn für einen Sinn ergibt? Keinen, denn wenn man keine Lust hat, etwas zu machen, dann kann die Mutter auch bis 100 zählen oder direkt 3 sagen. Ich erwische mich auch ständig dabei, zu zählen. Wenn sie beispielsweise ihre Armeen von Socken oder die Socken, die einen Kameraden auf dem Weg vom Wohnzimmer zur Hormonhöhle verloren haben, suchen soll. Es bringt nichts, wir haben trotzdem massive Sockenopfer zu beklagen.

Dann habe ich mich gefragt, welche Sätze es denn noch so gibt, die jedes Kind von der Mutter so oft gehört hat, sie jetzt aber selber sagt. Vielleicht findet ihr ja die eine oder anderen Übereinstimmung.

1.Hast du den Schlüssel dabei?

Jeden Morgen diese Frage und eine maulige Antwort, dass der Schlüssel im Rucksack sei, um dann an der Schule festzustellen, dass man ja heute mit einer Handtasche von Herrn Vuitton losgezogen ist und den Schlüssel im Rucksack vergessen hat.

2. Du bist aber nicht die anderen.

Schon wieder eine Arbeit verhauen. Erst jetzt erkennt das Kind, dass sie vielleicht ein wenig mehr für die Schule tun muss, und dass es nicht ausreicht, das Buch unter das Kopfkissen zu legen. Aber bevor sie ihre Note mitteilt, wird die Geschichte erst mal mit einer gewissen Dramaturgie versetzt. Mir wird mitgeteilt, wer alles eine 6 geschrieben hat und noch schlechter ist als sie mit ihrer 5. Kein Satz als dieser passt besser, denn sie ist nun mal nicht die anderen.

3. Weil ich es sage.

Jede noch so kleine Bitte wird hinterfragt. Es funktioniert bei unseren hormongeplagten Teenagern nicht, eine Bitte seitens der Eltern, einfach umzusetzen. „Räum bitte die Spülmaschine aus“. Da kommt kein: „Aber klar Mama, mache ich sofort“. Da kommt erst mal ein Stöhnen, dann die Anmerkung, dass dieser Dienst ja letzte Woche bereits durchgeführt wurde und dann die Frage nach dem „Warum“. Jaaaaa, und dann kommt mein Auftritt: „Weil ich es sage“. Hand auf euer Herz! Wer kennt es?

3. Mach die Augen zu, dann siehst du, was dir gehört.

Mein Auto, mein Zimmer, meine Wohnung…meins..meins…meins. Dann und genau dann verweise ich auf diesen schönen Satz, doch auch mal die Augen zu schließen, damit das Kind genau sieht, was zu ihm gehört. Das Beste an diesem Satz ist, sie kann ihn natürlich schon mitsprechen. Wenn ich besonders tief Luft hole, kommt von ihr schon: „Mama, ich weiß genau, was jetzt kommt, ich soll meine Augen zumachen“. Sie lernen so schnell, entzückend.

4. Noch einen Kuss!

Vorbei das wilde Geknutsche zum Abschied und zur Begrüßung. Den Fahrdienst darf ich jeden Morgen spielen. Es gibt in unserer Stadt ja keine Busse und Bahnen, die Pferdekutschen wurden quasi gerade erst abgeschafft. Das Kind gibt den Parkplatz vor, an dem ich halten „darf“. Wenn da allerdings ein männliches Objekt steht, darf ich nach Meinung meiner Beifahrerin noch diverse Ehrenrunden drehen, weil es ihr peinlich ist. Warum bin ich denn peinlich? Kennt ihr Eltern das? „Mama, bitte mach die Musik leiser! Mama, bitte nicht knutschen vor der Schule! Mama, bitte nichts hinterherrufen“! Habe ich eine Daseinsberechtigung im Moment? Wenn ja, welche?

Die eierlegende Wollmilchsau!

5. Mich interessiert nicht, wer angefangen hat.

Zickenterror deluxe, jeden Tag. Spätestens wenn zwei Namen im Spiel sind, bin ich raus. Dann wird ohne Punkt und Komma geredet, ich vernehme bald ein Piepen in meinem Ohr. Tinitus? Blute ich aus dem Ohr? Diese verwirrenden Geschichten über irgendwelche Noname Kinder, deren Namen ich eben noch nie gehört habe, interessieren mich absolut nicht. Wenn ich aber mal höflich nachfrage, wer das denn sei, kassiere ich Augenrollen und Stöhnen.

Mein Satz, um diesen Zickenterror zu beenden, wirkt immer, denn es interessiert mich tatsächlich nicht, wer angefangen hat. Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, das haben wir in unserer Jugend schon geschafft. Das wird sich auch nicht ändern.

 

In diesem Sinne denke ich wieder einmal über Yoga nach, in der Theorie jedenfalls.

 

Eure Sandra

 

 

 

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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