Ja Mama, nein Mama, vielleicht Mama

 

Mama hat immer recht, also oft, also hin und wieder. Geht es euch auch so? Ich liebe meine Mutter wirklich, aber bei uns knallt es auch gerne mal, wenn wir länger aufeinander hocken. Als erste Aktion, wenn sie meine Wohnung betritt, werde ich mit Süßigkeiten überhäuft. Ja, ich bin eine Süße, aber ich brauche die Süßigkeiten nur anzuschauen und bekomme „Büffelhüften“. Während ich dann doch in einen Schokoriegel reinbeisse, kommt meine Mutter mit einem Artikel aus ihrer Lieblingszeitschrift um die Ecke und sagt: „Schau mal, hier gibt es einen tollen Artikel zum Thema Abnehmen. Die Tropfen kannst du dir doch bestellen. Ich habe da eine gute Online- Apotheke, da bekommst du die günstiger“. Während ich aus Protest vor ihrer Nase den zweiten Schokoriegel  inhaliere, lese ich mir den Artikel durch. Nebenwirkungen, die mich umbringen würden. Ich sage ihr nur: „Mama, ich habe Hashimoto, wenn ich das nehme, hat das fatale Folgen. Lieber habe ich etwas mehr auf den Hüften und lebe gut mit der Krankheit, als bin ich krank und werde bei der ersten Windböe umgeweht“. Bei der Gelegenheit nehme ich mir den dritten Riegel und reiche meiner Mutter wortlos den Zettel zurück.

Gut, dann räumt sie eben auf. Es wird abgewaschen, abgetrocknet und das Geschirr weggestellt. Bei der Gelegenheit wird auch mal die Wohnung umgeräumt. Mit dem Ergebnis, dass man teilweise denkt, man ist in einer anderen Küche. Ich habe meiner Mutter schon angedroht, ihre Küche mal komplett umzuräumen, wenn wir mal das Haus hüten. Sie ist dann immer schnell beleidigt, weil sie es ja nur gut meint. Kennt ihr das? Natürlich bleibt man immer das Kind, aber mit fast 45 stehe ich ja inzwischen auch ganz gut auf eigenen Beinen und bin selbst Mama.

Meine Tochter und ich führen ein gutes Leben in unserer Mädelswohnung. Wir sind ein super Team, gerne auch mal chaotisch und werfen unsere Pläne innerhalb von 5min um. Das kann meine Mutter nicht. Das Rentnerleben ist anstrengend. Die Mahlzeiten sind zeitlich streng vorgegeben. Los geht es mit Frühstück um 8.30 Uhr. Da wird dann mit dem Frühstücksbrett gegen die Wand geklopft, das Zeichen, dass mein Vater aufstehen soll. Inzwischen schicken sie sich aber auch gerne Nachrichten über Whats App, wenn das Essen auf dem Tisch steht.

Meine Mutter ist dann immer völlig irritiert, weil wir eben nicht die Zeit haben, uns vier Mal am Tag an den Tisch zu setzen. Unser Tag fängt auch bereits um 6.30 an während der Schulzeit. Wenn wir Ferien und nichts vor haben, rennen wir auch gerne den ganzen Tag im Schlafi rum. Wir erwarten keinen unangemeldeten Besuch.

Besuch: ein gutes Stichwort. Meine Mutter macht sich Gedanken, weil ich noch immer Single bin. Ein kleiner Tipp von mir: redet am besten nicht über die potentiellen Schwiegersöhne! Das habe ich mir inzwischen auch abgewöhnt, denn ich bekomme genügend mitleidige Blicke von ihr. Aber ich bin doch gar nicht verzweifelt, im Gegenteil.

Es gibt sicherlich meinen Deckel, mein Gegenstück, meinen Mr. Right. Er darf sich auch gerne auf den Weg machen mit seinem Gaul. Wenn es mal länger dauert, ich habe noch einige Schokoriegel für dich als Wegzehrung.

Das Schlimmste ist aber der Satz: „Früher gab es so etwas nicht. Früher hatten wir nichts“. Dieser Vergleich lässt meine Halsschlagader am Limit pulsieren. Das ist, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht liebe Mütter. Lasst das mal, wir leben im Hier und Jetzt!

Mein Vater sagt dann immer nüchtern: „Früher hatten wir auch einen Kaiser“.

Den haben wir jetzt nicht mehr, aber wir werden jetzt mal kaiserlich frühstücken.

 

Einen schönen Wochenstart ihr wundervollen Mütter und natürlich auch Väter!

 

 

Eure Sandra

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.