Ferien- Zeit zum Chillen für Groß und Klein

Wir waren doch gerade auf Mallorca? Okay, der Sommer in Deutschland ist ja dieses Jahr ausgefallen. Also waren wir auf der schönsten Insel der Deutschen. Bei der Ankunft dachte ich nur, Deutschland muss leer sein, alle machen dort Urlaub. Die Einwohner der Insel sind inzwischen schwerst genervt von uns. Nun gut, wir waren im Hinterland, auf einer schönen Finca, die meine beste Freundin mit ihrer Familie gemietet hatte. Es war eine wunderschöne Woche, weitab vom Massentourismus, dem täglichen Kampf um das Buffet und die mit den Handtüchern besetzten Liegen am Pool.

Das Vergnügen hatten wir im letzten Jahr in der Türkei. Wir hatten ein schönes, neues Hotel in der Nähe von Alanya gebucht. Laut Internet sollte die Busfahrt vom Flughafen in Antalya 1,5 Stunden dauern. Die Realität waren 4!!!!! Stunden. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie stark meine Halsschlagader pulsierte? Und dann hat man noch einen Teenager an seiner Seite, der mir minütlich mitteilt, wie ätzend diese Situation doch ist. Gibt es Yogaübungen im Sitzen? Ab wann ist es besser, wenn man nicht alleine mit seinem Teenager verreist? Es fühlt sich ja quasi so an, als wäre man auch alleine im Urlaub. Das Wichtigste für die Teenager ist: eine gute WLAN Verbindung. Vorbei die Zeiten, als man Kinder mit „Ich werfe Steine ins Wasser, ich sammle Muscheln, ich baue Sandburgen“ begeistern konnte. Jetzt gibt es nur noch Genörgle. Spontan verreisen? Gerne nach New York, L.A., verbunden mit ausartenden Shopping Touren. So stellen sie sich das Leben vor.

„Du fährst mit Papa und Familie morgen nach Dänemark, ist das nicht toll“? Der hormongesteuerte Bewohner meiner Tochter schreit, wie unfair das doch alles ist, dass man jetzt spontan da hinfahren möchte. Man fragt sich in solchen Momenten, wo die Zeiten hin sind, als das Kind solche Aktionen nicht mehr erwarten konnte. Seit den Sommerferien ist das Kind nicht nur schlecht gelaunt, sondern noch extrem motzig. Trotzphase wurde jetzt abgelöst von der MOTZPHASE.

Du fragst dich als Mama manchmal, ob sie vielleicht doch bei der Geburt vertauscht worden sind, wenn die Türen in deiner Wohnung drohen, einfach aus der Verankerung zu brechen, weil das Kind sie wieder und wieder zuschlägt, weil ich wieder einmal alle Socken genommen habe, weil das Lieblingsshirt seit Wochen versteckt in einer Ecke liegt und ich es nicht gewaschen habe. Aufräumen? „Mache ich gleich Mama“. Gleich ist ja in der Teeniesprache ein weiter Begriff. Gleich kann gleich, nachher, abends, morgen, übermorgen oder auch gar nicht sein. Vorbei sind die Zeiten, in denen Mama und Papa Helden waren. Jetzt wären wir die Helden, wenn wir ihr alle Wünsche erfüllen, die sie täglich hat.

Dann kommt meine Mutter wieder um die Ecke mit meinem Unwort: „Früher“. Sorry Mutti ( ja so sagen wir Kinder aus dem Osten meistens zu unserer Mama), wenn du das liest. Ich habe dich natürlich lieb. Aber früher war auch nicht immer alles so gut.

Jetzt haben wir zwei Wochen Herbstferien und mal nichts geplant. Einfach den Tag geniessen, spontan sein, sich mit Freunden treffen. Ja, auch wir Mamas „chillen“ mal gerne. Ich weiß den Wortlaut meiner Tochter in diesem Moment: „Mama, du bist peinlich, du weißt nicht, was chillen ist“.

Eine große Aktion wird sein, dass JUGENDZIMMER neu zu gestalten. Was ihr vor zwei Jahren total gefiel, war für mich damals schon ein Graus. Meine Wohnung ist eher weiss und schlicht gehalten, das Zimmer meiner Tochter weiß und LILA. Es war ein Geschenk meiner Eltern. Als ich das erste Mal äußerte, dass es uns gar nicht mehr gefällt, wurde wieder vorgerechnet, was es denn gekostet hat.

Puh, das ist eine Phase, in der ich ganz tief in den Bauch einatmen muss, sonst würde ich wohl explodieren. Dann kommen Sachen wie: „Dein Kind ist total verwöhnt. Nur weil der Rest der Wohnung weiss ist, musst du deinem Kind doch nicht deinen Geschmack aufschwatzen“. Bei dem Satz dachte ich, ich bin vor Wut 1,80m. Es ist ihr Geschmack, sie wünscht sich ein neues Zimmer, eingerichtet wie eine schwedische Möbellandschaft. Natürlich kann und werde ich das nicht alleine zahlen. Sie hat gespart und jede Menge Gutscheine gesammelt. So werden wir wohl nächste Woche unser Projekt in die Hand nehmen und das Zimmer zu einem Teenagertraum ohne LILA, dem letzten Versuch, umdekorieren.

Wenn wir kein Geld mehr für das Jugendzimmer bekommen, werden wir es an eine gemeinnützige Einrichtung spenden.

In diesem Sinne, eine schöne Restwoche!

 

Eure Sandra

 

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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