Die ungefilterte Wahrheit- Krone richten

Es gibt sie, die Momente, wenn ich zwischen Bergen von verlorenen Socken, nicht erledigter Hausarbeit und brüllendem, pubertierendem Kind stehe und nicht mehr kann. Ich sollte mich doch eigentlich erholen. Vier Wochen kein Fliegen, Zwangsverordnung von meinem Arzt. Am Anfang habe ich noch gedacht, ich schaffe das. Ich kann trotzdem fliegen. Als ich dann aber die Rezepte sah, dachte ich, ich  kann froh sein, wenn ich dann noch meinen Namen sagen kann. Neue Freunde sollten Muskelentspanner werden. Eine Woche, mehrmals am Tag. Ich hing über der Schüssel, weil mein Körper rebellierte und sagte: “Vergiss es, die Pille hat keinen Einlass mehr”. Das sind Momente, in denen ich nicht die lustige Sandra bin, sondern einfach nur traurig und nicht weiß, wie ich den Alltag bewältigen soll. Finanziell, körperlich und mit einem hormongesteuerten Kind im Schlepptau, welches total sauer ist, weil es jetzt doch nicht die Ralph Lauren Jacke aus New York bekommt.

Dann sehe ich die tollen und gefilterten Familien auf Instagram und Co, die alles stundenlang herrichten, um das eine perfekte Foto hinzubekommen, das ihre achso tolle Familie ins rechte Licht setzt.

Nein, so ist es nicht! So ist es bei vielen Familien nicht, erst recht nicht bei alleinerziehenden Müttern. Wir müssen alles sein: Mutter, Vater, Freundin, Ernährer, Seelentröster und vieles mehr. Und ja, wir tun es. Wir lieben unsere Kinder. Aber wo bleiben wir?

Einen Monat nicht arbeiten: Verdienstausfall!

Wir drehen und wenden uns, damit es dem Kind gut geht und um unser schlechtes Gewissen ein stück weit zu befriedigen. Jedenfalls ist es bei mir so. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen muss, ich kann nicht mehr. Pubertät ist ein Arschloch! Ich will nicht, dass mein Kind so davon besessen ist, ich will mein sabberndes, gut riechendes, kuscheliges Mäuschen zurück. Ich hasse Erziehungsratgeber, jedes Kind ist anders. Was alle aber wohl gemeinsam haben, ist dieses hormongesteuerte Tier, welches meistens und schon immer früher bei den Kindern einzieht.

Wie oft frage ich mich, war ich auch so zu meinen Eltern? Ich bin mit 16 noch mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren. Okay, ich habe meistens hinten im Auto geschlafen, sehr zum Ärger meines Vaters. Ich wollte mir nicht die Landschaft anschauen, Jungs waren doch interessanter als ein dämliches, stinkendes Rapsfeld.

Aber jetzt fängt es ja schon teilweise mit 10 an, dass die Kinder den Wunsch äußern, nicht mit in den Urlaub fahren zu wollen. Alles, was zählt, ist gut funktionierendes WLAN, um den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren. Mallorca war echtes Exil dieses Jahr. Dafür hatte ich eine wundervolle Zeit mit meiner Freundin und ihrem Mann, Erholung pur, weitab des Massentourismus mit dem täglichen Kampf um die Liegen und den besten Platz am Buffet.

Während wir uns entspannten, saß das Kind drinnen, denn am Pool gab es keinen Empfang.

Mein Fazit war: Ich werde nicht mehr mit ihr alleine in den Urlaub fahren. Während ich das beschloss, überlegte ich ernsthaft, ihr den Wunsch, sie mal mit nach New York zu nehmen, zu erfüllen. Hallo???? Meine Freundin hielt mir dann mal direkt den Spiegel vor Augen. Da war es wieder, mein schlechtes Gewissen. Oder ist es das innere Kind in mir, welches meinem Kind eine heile Familie vorgaukeln und diese Trennung mit immer mehr ausartenden Geschenken wieder gut machen möchte?

Ich habe die letzten Tage, Wochen sehr viel nachgedacht und geweint. Ja, ich bin so eine emotionale Tussi, die auch bei der Merci Werbung heult. Am 6.12. 2010 habe ich die Trennung ausgesprochen. Seitdem ist viel passiert. Das alles gehört mit dazu, auch wenn es teilweise kaum zu ertragen war.

Dann frage ich mich: Wo bin ich eigentlich geblieben? Ich tue alles, um eine gute Mutter zu sein. Alles!!!! 24/7, immer. Meine Bedürfnisse habe ich komplett zurückgenommen.

Unser Reich ist unser Reich. Einen Mann in meinem Leben? Gibt es nicht. Hätte ich gerne, aber ohne große Altlasten, unaufgeräumt, der Exfreundin hinterher trauernd. Ich bin keine Therapeutin und brauche niemanden, der sich auf meiner Brust ausheult. Das tut auf Dauer auch weh, körperlich. Mit 45 weiß man, was man möchte und was nicht. Ich mag Männer, die auch mal schwach sind und nicht das starke Geschlecht.

Meine Tochter hat einen Vater, der sich sehr gut um sie kümmert. Väter sind nun mal die ersten Freunde für Mädchen.

Aber ich bin ja nun nicht nur Mama, sondern auch Sandra und eine Frau. Haben Männer Angst vor starken Frauen? Bin ich nicht, jedenfalls nicht immer. Ich will auch mal in den Arm genommen werden und jemandem erzählen, wie anstrengend oder toll mein Tag zwischen Wäschebergen und Abwasch war, zum Beispiel. Die Männer ab 40 kann man mit Aktionsware vergleichen. Ich glaube, ich war nicht so schnell, sie sind vergriffen. Dabei sind mir Sachen wie Status, Auto und der Kontostand total egal. Er soll mein Leben bereichern, ohne permanent da zu sein. Das geht in meinem Beruf nicht.

Wenn dir dein Kind dann noch erzählt, dass es nicht möchte, dass du einen neuen Partner hast, fragst du dich, was in der Erziehung schief gelaufen ist. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die ihrem Kind jede Woche einen neuen Freund präsentieren, der jetzt hier eingezogen ist und ebenfalls seine Socken liegen läßt. Nein, so etwas mache ich nicht. Gibt es leider, nicht nur in den schlecht gemachten Sendungen auf RTLII. Unser Mädelsreich ist mir heilig. Ein Mann darf höchstens mal eine Zahnbürste da lassen. Bis das passiert, muss er mich aber einige Male abgeholt haben, und das Ganze am besten nicht emotional. Ich mag eine Leichtigkeit im Leben, die fehlt mir teilweise. Mein Kind ist und wird immer die Nummer 1 sein.

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich denke, eine Auszeit zwischen Mama und Tochter ist dringend nötig. Bin ich eine schlechte Mutter? Das habe ich mich so oft gefragt, während ich geweint habe, vor Schmerzen in meinem Rücken, der mich in die Knie gezwungen hat. An dieser Stelle eine Entschuldigung an Menschen, die meinen MIMIMI Modus manchmal abbekommen, ob am Telefon oder per whats app.

In diesem Jahr feiert meine Tochter Weihnachten bei ihrem Papa, mit seiner neuen Familie.

Und ich? Ich darf Kind sein, bei meinen Eltern. Es sind diese Momente, die wir uns immer vor Augen halten sollten. Auch wir dürfen mal schwach sein und sagen, dass das Leben eben nicht so ist wie auf einem gefiltertem Bild.

Wir sind am Ende des Tages einfach auch nur Menschen, mit Gefühlen, Selbstzweifeln, eben keinem Schonwaschprogramm.

Auch deshalb habe ich mich vor einiger Zeit dazu entschlossen, über unser Leben zu bloggen.

Das Leben ist bunt, zu kurz, um traurig zu sein. Aber es ist auch mal so, dass wir es doof finden.

 

Eure Sandra

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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