Die Pubertät-warum werden Eltern immer nur so komisch?

Irgendwann trifft es uns Eltern. Es kommt ohne Vorankündigung, über Nacht, durch die geschlossene Tür und belagert das Zimmer der Kinder. Und dann: den Körper!

Die Pubertät!

Sie ist dafür verantwortlich, dass unsere Kinder, die doch eben noch so klein,niedlich waren und nach Baby rochen, plötzlich eine Wesensänderung durchmachen, die man manchmal nur aus „Horrorfilmen“ kennt.

Heutzutage gibt es ja schon, nennen wir es mal, Vorstufen der Pubertät. Ich habe es aufgegeben, Ratgeber zu lesen, denn jedes Kind ist nun mal anders. Deshalb habe ich mich, Mama einer 13 jährigen Tochter, die seit einiger Zeit von diesem Übel belagert wird, etwas gefragt. Woran erkennt man, dass das Kind völlig wehrlos dieser Laune der Natur ausgeliefert ist? Einige Dinge, habe ich für euch mal zusammen getragen. ( to be continued)

1. Volker Rosin ist ausgezogen.

Wer kennt ihn nicht? Den lustigen Sänger, der über den Gorilla mit der Sonnenbrille singt? Irgendwann wurde er, samt seinem Tanzalarm, entsorgt. Eingezogen sind Sido und Bushido. Gangsterrap ist in. Texte, die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Aber gut, Volker hat eben keine Chance mehr. Bad Boys haben Vorrang.

2. Du wirst peinlich.

Vorbei sind die Gesänge im Auto, mit ganzem Körpereinsatz. Liebt ihr das auch so? Ich kann nicht anders. Blöd ist, wenn man Teenies im Doppelpack hinten im Auto sitzen hat, es vergisst und ermahnt wird. „MAMAAAAAA“. Und dann gibt es zu Hause noch mal die Ansage: „Mama, das ist peinlich, und Englisch kannst du auch nicht “. Nein, kann man auch nicht, wenn man in Amerika gelebt hat.

3. Das Zimmer wird zur Löwenhöhle.

Vorbei ist der tolle Geruch, der dich erwartet hat, wenn du das Zimmer des Mäuschens betreten hast. Wenn du denn mal in das Zimmer vordringen kannst, hast du manchmal das Gefühl, du betrittst die Höhle des Löwen ( unzählige Klamotten warten darauf, dass du darüber stolperst, du fällst und du wirst unter ihnen begraben. Armeen von Socken haben auf dem Weg vom Wohnzimmer in das Kinderzimmer ihren „Partner“ verloren. Und wenn man sich dann heraus nimmt, dieses anzumerken, schreit die kleine Löwin los. Dazu kommt der Mief, der aus dem Papierkorb steigt. Manchmal habe ich das Gefühl, das wieder mal nicht gegessene und in diesem Papierkorb entsorgte Brot, spricht mit mir, und es hat seine Farbe gewechselt: Zartes Grün mit Flaum. Spätestens dann ist es Zeit, über Atem- und Yogaübungen nachzudenken. In solchen Momenten hole ich die Kinderfotos raus, als Mama und Papa noch Helden waren.

4. „Mama, hatten du und Papa eigentlich Sex“?

Ich hatte gehofft, diese Frage kommt frühestens mit 18, weil mein Kind doch nie Interesse daran haben wird. Aber ich erinnere mich, als der Tag X kam. Früh morgens: Ich hatte erst einen Kaffee intus, steckte noch in den Joggingklamotten, mein Hirn arbeitete nicht mal 50%. Und dann, an der Ampel wartend, kam die Frage: „Mama, hatten du und Papa eigentlich jemals Sex“? Ich spuckte förmlich den Kaffee gegen die Windschutzscheibe und dachte nur, es ist zu spät, über die Bienchen zu sprechen. „Ja Mäuschen, hatten wir.“ Von da an gab es dann in den nächsten Tagen und Wochen ständig Kommentare, wie eklig das denn sei. Das war in der 4. Klasse, inzwischen ist sie in der 7. Klasse.Wir haben bereits Kondome ausgepackt, über Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren, über Oral- Sex gesprochen. Und: Sie möchte zu „Shades of Grey“ gehen. Natürlich: Aufklärung mal anders. Eine Peitsche brauche ich eher, um sie morgens aus dem Zimmer zu bekommen.

5. Belagerung des Badezimmers

Wie schön war es doch, als das Badezimmer mir ganz allein gehörte morgens. Heute muss ich mich beeilen, dass ich rechtzeitig reinkomme, denn sonst stehe ich vor der verschlossenen Tür. Ein typischer Morgen? Wenn die Prinzessin denn mal aufsteht, kriecht sie in Zeitlupe in das Badezimmer. Während das Wasser dann so vor sich hin plätschert, kommt jeden Morgen die gleiche Frage: „Mama, welches ist mein Handtuch?“ Das ist hier zwar Hotel Mama mit all inklusive, aber die Handtücher wechseln wir nicht täglich. Eher föhne ich mich mit dem Reiseföhn trocken, als dass ich jeden Tag die Waschmaschine laufen lasse. Dann duscht sie, abwechselnd Duschen mit Haaren, Duschen ohne Haare, Haare über der Badewanne waschen, ohne komplett das Wasser über den Körper laufen zu lassen. Der Fantasie sind eben keine Grenzen gesetzt. Anziehen, frühstücken, dann kommt der 2. Gang. Föhnen und Schminken. Sie hat mehr Schminke als ich, und sie gibt mir Schminktipps!!!! Vorbei die Zeiten, als ich mir Tipps gegen wunde Babypopos geholt habe.Willkommen in der Realität!

6. Eltern werden zu Kleinkriminellen

Kennt ihr das? Die immer wiederkehrende Frage? „Mama, mein xyz ist weg. Wo hast du es hingelegt? Ich wollte die Hose heute anziehen.“ Manchmal wünschte ich mir, ich hätte Size 0 und würde stillschweigend an ihr vorbeigehen, meine Haare nach hinten schmeißen und sagen: „Ich habe sie mir ausgeborgt, hast doch nichts dagegen oder?“ Dabei ist es nämlich umgekehrt. Vorbei mit Hello Kitty und no name Taschen. Man geht mit Familie Longchamp in die Schule. Da greift man doch gerne bei Mama zu, ist ja all inklusive. Und ich habe das Nachsehen. Wird Zeit für einen Befreiungsschrei im Wald. Vorher wage ich mich in die Höhle vor, und ziehe mit einem gezielten Blick und Griff die vermisste Hose vom Schlachtfeld. Sie ist verletzt, hat die Knie ganz aufgerissen. Ach nein: es ist ja modern. Das gehört so.

7. „Hallo meine Lieben“

Ich kann diesen Satz nicht mehr hören. Irgendwann habe ich es aufgegeben, mich dagegen zu wehren. Die Familie der weiblichen YouTuber ist ebenfalls ins Kinderzimmer eingezogen. Diese Mädels, die Schminktipps geben, sich gegenseitig total veralbern, ihre „Follower“ am Leben teilhaben lassen, werden vergöttert. Und wehe man äfft sie nach oder bemängelt ihr Outfit.

Dann geht sie los: die Sirene, Heulen, Wutausbrüche, der totale Zusammenbruch. Warum sind die Kinder so vernarrt in diese Mädels? Was können sie? Vielleicht kann mich mal jemand aufklären, damit ich es auch in meinem hohen Alter verstehe.

Schminktipps für die Haut ab 40? Bauch-Beine- Po Übungen? Wie date ich richtig? Vielleicht sollte ich auch anfangen, YouTuberin zu werden, für uns große Mädels. Wir proben den Aufstand gegen die pubertären Kinder.

8. WLAN- der neue Freund

Du buchst einen Urlaub, freust dich, dass du es deinem Kind ermöglichen kannst. ( An dieser Stelle vielen Dank an meine tolle Freundin und ihre Familie, die uns eingeladen haben). Es ist so wunderschön, Natur und Ruhe pur, eigener Pool.Fantastisch! Die erste Frage des Kindes? „Gibt es WLAN“? Bevor ich „nein“ sagen kann, hat sie den Router schon gefunden und den WLAN Schlüssel in ihr Telefon gehämmert. Manchmal muss man Angst haben, dass sie den Weg vom Wohnzimmer in ihr Zimmer nicht mehr finden. Können sie WLAN riechen? Wenn es nach unseren Kindern gehen würde, der Urlaubsort sollte nach gutem WLAN ausgesucht werden. Entspannter und nahezu pubertätsfreier Urlaub garantiert!

9. Die Väter rüsten auf.

Auch wenn ich inzwischen getrennt vom Vater meiner Tochter bin, weiß ich, wenn es für Mädchen nur noch Jungs gibt, ist der Vater abgeschrieben. Väter leiden darunter, denn sie sind out und ebenfalls peinlich. In Gedanken wird das Zimmer des Kindes mit Kameras versehen,verwanzt. Die Wohnungstür wird mit zusätzlichen Schlössern versehen, der Junge bzw. die Eltern müssen per Einschreiben ein polizeiliches Führungszeugnis schicken. Der Knabe erhält dennoch keinen Zutritt. Schweißgebadet wacht der Vater auf, denn er stand in seinem Traum mit einem Baseballschläger im Kleiderschrank der Tochter. Sie hatte Besuch von einem ihrer Verehrer, und er wollte sie beschützen. Auch wenn die Pubertät anstrengend, nervenaufreibend, von extremen Hormonschwankungen, gepaart mit Tränen- und Wutausbrüchen ist, wir Eltern manchmal doof, peinlich und mega uncool sind und unsere „Base chillen sollten“, dürfen wir nie vergessen: Wir waren auch mal in dem Alter, haben genauso Mist gebaut und unsere Eltern auch mal an den Rand des Wahnsinns gebracht.Unsere Kinder lieben uns bedingungslos, auch wenn sie das nicht immer so zeigen können.

Wir sind ihre großen Vorbilder.

In diesem Sinne: Augen zu und durch die Pubertät!

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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