Curry 36 und die Rennpappe

Eine Nacht in Berlin und knapp 2 Tage für Sightseeing, das ist eine echte Herausforderung, wenn man, so wie wir, 2 Mädels im Gepäck hat. Sie dachten nämlich, wir fahren zum shoppen in die Hauptstadt. Schnell wurde im Auto auf dem Iphone 6 rumgehackt, um zu schauen, welche tollen und hippen Läden es denn in Berlin so gibt. Dazu später mehr. Denn für Suzanne ( die Mama von Lea) und mich war klar, erst werden zumindest einige Sehenswürdigkeiten angeschaut, bevor sie die Einkaufstüten aus ihren Läden raus schleppen.
Mamas haben einfach immer die besten Pläne. Also, schnell an unserer Märchenrezeption im Grimm´s Hotel nachgefragt, was man wo und wann sehen kann.
Eine der genialsten Ideen ist, wenn man mit der Linie 100 fährt. Man spart sich die Stadtrundfahrt, die einfach auch zu teuer ist. Wir haben uns ein Kleingruppenticket für knapp 18 Euro gekauft, für die Bereiche ABC und konnten somit bequem mit Bus, U- und S Bahn fahren.
Also ging es mit dem Bus 100 auf Tour. Das ist ein Doppeldeckerbus, und wenn man schnelle und junge Mädels dabei hat, kann man auch Glück haben, denn wir saßen oben in der 1. Reihe.
So sind wir vorbeigefahren am Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude, der Museumsinsel, dem Berliner Dom, haben die Gedächtniskirche, den Fernsehturm, die Siegessäule, das Schloss Bellevue und noch viel mehr gesehen. Ein Traum, der gerade Suzanne und mich in Erinnerung schwelgen lassen hat.
Für mich, ein Kind des Ostens, ist gerade der „Alex“ mit dem Fernsehturm eine der größten und schönsten Erinnerungen. Unsere „Sicht“ war ja leider viele Jahre eingeschränkt. Umso schöner ist es, diese Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Nicht nur beruflich darf ich die ganze Welt sehen, auch privat kann ich über Grenzen gehen, ohne dass meiner Familie und mir Steine in den Weg gelegt werden. Das musste ich nochmals an dieser Stelle los werden.
Diese Bustour können wir jedem Berlinbesucher nur wärmstens empfehlen. Günstig, er fährt alle paar Minuten, und man kann auch an allen Sehenswürdigkeiten aussteigen.
So, was verbindet man kulinarisch mit Berlin? Richtig: die Currywurst. Und somit gab es die bei
„Curry 36“. Ich liebe Currywurst, aber eben nur, wenn ich in Berlin bin. Schon alleine das Personal bei „Curry 36“ ist erwähnenswert. Dit sind so richtige Berliner Pflanzen, die nüscht aus der Ruhe bringt, wa? Ich liebe den Berliner Dialekt und die Currywurst. http://www.curry36.de/
Gestärkt konnte unsere Tour weiter gehen.
Einen Besuch wert ist das DDR- Museum. Für mich war es ein Eintauchen in meine Kindheit, selbst die Pubertiere lauschten meinen Erzählungen. Ein Museum für Groß und Klein, lohnt sich wirklich. Dort wurde über das kollektive auf das „Töpfchen“ gehen berichtet. Ja, wir Kinder aus der DDR waren spätestens mit 2 trocken. Bei uns gab es keine Pampers, sondern fast nur Stoffwindeln und den wunden Po gratis dazu.
Dann war ein Raum im Kindergarten nachgebaut. Die Mädels konnten es gar nicht glauben, dass wir auf so harten Liegen, die aus einer dünnen Spanplatte bestanden, schlafen konnten. Ich sah in 2 ungläubige Gesichter. Dann die Namen an der originalen Garderobe: Cindy, Mandy, Enrico, Rocco.
Das war die einzige Möglichkeit für unsere Eltern, diesem System entgegen zu steuern.
An dieser Stelle möchte ich aber meiner Mama danken, dass sie meinen Bruder und mich Alexander und Sandra genannt hat. Man sollte immer, auch heute, einen Spielplatzruftest machen.
So ging es von Raum zu Raum. In diesem Museum war sogar eine ganze, wie es im Osten so schön hieß, 3 Raumwohnung nachgebaut. Herrlich! Im Jugendzimmer stand er, mein alter Kassettenrekorder SKR 700, in meiner Wunschfarbe grau, den ich mir damals für über 1000 Ostmark von meinem Jugendweihe Geld gekauft hatte. Ich stieß fast einen Freudenschrei aus, als ich ihn sah. Die Pubertiere schauten nur ungläubig, meine Tochter sagte nur: „Oh mein Gott Mama, so was hattest du?“ Ja, so was hatten wir fast alle aus meiner damaligen Klasse, in einheitsgrau.
Und wir waren so glücklich darüber, genauso glücklich, wenn es Bananen und zur Weihnachtszeit leckere Orangen gab, die nicht nur aus Fäden, sondern auch aus Fruchtfleisch bestanden.
Dann standen wir in einem nachgebauten Büro, welches ein Telefon mit WÄHLSCHEIBE auf dem Tisch stehen hatte. „Was ist das?“, fragten die Mädels. Das nannten wir Telefon. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie raus hatten, wie man die einzelnen Zahlen wählt. Ein Hochgenuss für Suzanne und mich. „Damit konnte man telefonieren?“ In Zeiten von Konsumrausch, Iphone & Co ist das für unsere Kinder einfach eine andere Welt. Aber sie waren mit Begeisterung dabei, ihr Highlight war die „ Fahrt“ in einer originalen „Rennpappe“. So nannten wir liebevoll unseren Trabi. Da konnten wir sie gar nicht von weg bekommen. Über eine Computeranimation mussten sie durch eine Plattenbausiedlung fahren, mit originalem Trabantengeräusch. Was für einen Spaß sie hatten.
Genau so einen Spaß hatte ich damals mit 16, als mein bester Freund Olaf seinen ersten Trabi hatte, und wir zu fünft in dem Ding nach Hause gefahren sind. Laut, kalt, eng, langsam, aber wir hatten ja uns.
Und so hatte auch der Besuch im DDR- Museum nach der rasanten Fahrt ein Ende.

Fazit: absolut sehenswert für jedermann
http://www.ddr-museum.de/

Tags from the story
Written By

Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

2 Comments

  • Klingt großartig, den Tipp behalte ich im Hinterkopf, wenn meine Tochter groß genug für so einen „Ausflug“ sein wird – also so in etwa in ca. 9-10 Jahren! 😉
    (Ich habe Deine Webseite über eine FB-Gruppe entdeckt, gefällt mir gut, was ich hier lese.)

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Liebe Susanne, es freut mich sehr, dass du mich „gefunden“ hast. Wir haben noch Großes vor und freuen uns über jedes Lächeln, das uns begleiten mag. Herzliche Grüße, Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.