Angriff aus dem Hinterhalt

Kinder brauchen geregelte Tagesabläufe, das fängt im Kleinkindalter an. Inzwischen ist Emily ja schon 12, benimmt sich aber gerne wie 16. Jeden Morgen klingelt MEIN Wecker um 6.40 Uhr. Wenn ich sage, sie soll sich doch bitte mal den Wecker stellen, um von alleine aufzustehen, heißt es immer, sie hätte keinen Wecker oder ihr Handy sei leer.
Klar, um einen Wecker zu bekommen, muß man, wie wir früher auf ein Auto in der DDR, so ca. 12 Jahre warten. In unserer Wohnung gibt es keine Steckdose, also keine Möglichkeit das Iphone aufzuladen. Wer stellt sich also den Wecker? Ich. Aufstehen, erster Gang ist bei mir zur Kaffeemaschine, sonst kann ich den Tag und eventuelle Übergriffe von boshaften Pubertieren nicht verkraften. Was war das noch schön, als die Mäuse sich noch kuscheln und knutschen lassen haben. Wenn ich sie heute wecke, mit einem fröhlichen Lied zum Beispiel, kommt nur: „MAMA, lass das! Hör auf, so blöd zu singen!“ Ich singe gut und gerne, aber meiner Tochter anscheinend nicht gut genug.
Also lass ich es mit dem Trällern von Nana Mouskouris Lied „Guten Morgen Sonnenschein.“ Meine Künste werden hier sowieso nicht anerkannt. Stattdessen könnte ich den Satz auf Dauerschleife stellen, im Minutentakt: „Emily, du musst aufstehen!“ Nach einer gefühlten Ewigkeit erwachen dann auch die Lebensgeister bei meiner Prinzessin. Okay, als die Frage kommt: „Kannst du mich fahren?“ weiß ich, die Luft wird gleich wieder brenzlig, das Pubertier hat den Körper meiner Tochter übernommen, denn ich werde sie garantiert nicht fahren. Es folgen Sätze wie: “ Du bist so unfair. Alle werden gefahren. Mein Fahrrad ist so Schrott. Es ist so kalt.“( auch bei 30 Grad) Spätestens beim 2. Satz habe ich schon auf Durchzug geschaltet, atme tief in den Bauch ein, überlege, welche Übung man beim Yoga machen könnte, wenn ich es denn praktizieren würde. Morgengruß? Baum? Ich nehme den Baum, den ich dann diesem Pubertier um die Ohren hauen würde, wenn es wieder Besitz von meinem Mäuschen ergriffen hat.
Ich verlasse zum Eigenschutz den Ort des Geschehens, in der Hoffnung, dass das Mäuschen schnell wieder ihren Körper übernimmt. Leider zieht sich das im Moment bis zur Abfahrt in die Schule so durch. Da hilft nur Kaffee, Kaffee, Kaffee und die Aussicht, dass es nicht ewig so sein wird…NUR DIE NÄCHSTEN 6 Jahre, wenn es gut und schnell läuft.
Da fällt mir auch diese geniale Werbung ein, in der sich die Mutter bei ihrer Tochter krank meldet. Ob ich das auch mal machen sollte? Den Gedanken hat man öfter mal als allein erziehende Mama, aber egal wie schlimm dieses Pubertier auch ist, Kinder sind und bleiben ein kostbares Gut.

In diesem Sinne: „Keep calm and love your kids.“

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Ich heiße Sandra, bin 43, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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